Florian Meerheim berichtete in Kiel über seine Tätigkeit als Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Polizeipräsidium Westhessen.

Auf Einladung des Kieler Rats für Kriminalitätsverhütung fand am 25. Februar 2015 die Veranstaltung “Rosa Blaulicht. Homosexualität – ein Thema für die Polizei? Ein schwuler Kommissar berichtet” statt. Rund 60 Besucherinnen und Besucher beteiligten sich lebhaft an der Diskussion im Kieler Rathaus.

Stadtrat Wolfgang Röttgers eröffnete den Abend. Als Dezernent für Finanzen, Personal, Kultur und Ordnung ist er Vorsitzender des Kieler Rats für Kriminalitätsverhütung.

Engagiert moderierte Annette Wiese-Krukowska, Pressesprecherin der Landeshauptstadt Kiel,  die Veranstaltung.

Spannend: 2014 hatte das ZDF einen kurzen Filmbeitrag über Polizeioberkommissar Florian Meerheim veröffentlicht, der die Vorstellung einleitete. Offen und unkompliziert ging es um Fragen von Coming out, Akzeptanz schwuler Polizeibeamter, Liebe und Familie und die Vorteile eines offenen Umgangs mit der eigenen Homosexualität.

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Es folgte ein schlagfertiger Wortwechsel zwischen Moderatorin und Referenten:

Wo eigentlich sein Dienstort Flörsheim liege. Am Main, zwischen Wiesbaden und Frankfurt, ganz in der Nähe des Frankfurter Flughafens. Wie lange er denn schon Polizist sei. Seit rund 14 Jahren. Und als schwul geoutet? Seit 7 Jahren. Warum das denn!? Nun ja, als er seinen Partner kennengelernt habe – Blick ins Publikum – wollte er nicht mehr Versteck spielen und so wie die Kolleginnen und Kollegen ganz selbstverständlich von zuhause, den Eltern und den Schwiegereltern erzählen. Und wurde das akzeptiert? Aber ja, er habe keine einzige schlechte Erfahrung gemacht. Ganz im Gegenteil. Und erleichtert habe ihn sein Coming out auch. Er sei im Anschluss noch lieber zum Dienst gegangen. Sein Traumberuf? Polizist, schon immer.

Welches denn seine Aufgaben als Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen seien. Nun, er wolle nach außen – für die Bürgerinnen und die Bürger – und nach innen – für die anderen lesbischen und schwulen Kolleginnen und Kollegen da sein. So sei es z. B. einfacher für einen von homophober Gewalt betroffenen schwulen Mann einfacher, seine Anzeige bei einem schwulen Polizisten zu erstatten, weil der einfach wisse, wovon das Opfer spricht. Des weiteren sei es ein wichtiges Zeichen, innerhalb der Polizei offen schwul oder lesbisch zu sein, einfach deshalb, dass die anderen wissen, dass sie nicht die einzigen Lesben bzw. Schwulen seien.

Florian Meerheim informierte mit Zahlen, Daten und Fakten über den Umgang mit dem Thema Homosexualität in der Landespolizei Hessen. In den sechs hessischen Polizeipräsidien sind jeweils eine lesbische Ansprechpartnerin und ein schwuler Ansprechpartner benannt. Sie melden sich selber und freiwillig für die Aufgabe und werden im Idealfall je nach Arbeitsanfall stundenweise entlastet.

Mit konkreten Fallbeispielen machte Florian Meerheim deutlich, welche Chancen mit der Einrichtung von Ansprechpartnerinnen  und Ansprechpartnern verbunden sind:

Sie stehen bei Diskriminierungserfahrungen der Kolleginnen und Kollegen mit Rat und Tat zur Verfügung. Bei Verbrechen, die sich gegen Schwule, Lesben oder transidente Menschen richten, können die Ansprechpartnerinnen  und Ansprechpartner leichter das Vertrauen der Geschädigten gewinnen. Und schließlich schafft die Einrichtung der Aufgabe auch Fakten. Die Landespolizei bekennt sich damit deutlich zu einem offenen, wertschätzendem und gleichberechtigtem Miteinander. Dies wirkt nach innen in die eigene Organisation ebenso wie nach außen zu den Bürgerinnen und Bürgern.

Zahlreiche Gäste beteiligten sich an der Diskussion, darunter die Gleichstellungsbeauftragte des Landespolizeiamtes Schleswig-Holstein, Swantje Möllhoff und weitere Polizistinnen und Polizisten. Am Schluss war klar: Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner  für gleichgeschlechtliche Lebensweisen wären auch für Schleswig-Holstein eine super Idee! Wie dies konkret aussehen könnte, wird in kleiner Runde vorbereitet.

Die Veranstaltung “Rosa Blaulicht” fand in Kooperation mit dem Lesben- und Schwulenverband Schleswig-Holstein e.V. (LSVD) im Rahmen des Aktionsplans Echte Vielfalt statt. In lockerer Folge kooperiert der LSVD mit anderen Veranstaltern und Veranstalterinnen, um die Wirkung des Aktionsplans Echte Vielfalt zu stärken und neue Menschen für Gleichstellung zu begeistern.

Bilder: Janek Rauhe, Agnes Witte

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