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Lesben, Schwule, Transidente in den Medien

Lesben, Schwule und Transidente kommen in Medien selten vor, und wenn doch, dann oft einseitig. Gegensteuern ist möglich.

Von Vorstand LSVD SH

Eine angemessene mediale Darstellung ist die Vorbedingung zur Artikulation politischer Interessen von Minderheiten. Deswegen gilt: Berichte über Lesben und Schwule, eingebettet in Bezüge wie Eheöffnung, Adoptionsrecht oder Menschenrechte, sind wichtig. Nur durch sie wird wahrgenommen, dass Lesben und Schwule im Jahr 2014, 13 Jahre nach Einführung der Eingetragenen Partnerschaft, immer noch nicht mit Heterosexuellen gleichgestellt sind.

In der gesellschaftlichen Wahrnehmung können Lesben und Schwule „heiraten“. In der staatlichen Realität können sie es nicht. Sie können lediglich eine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, die bei jeder Angabe des Familienstands zu einem „Zwangsouting“ führt. Auch können Lesben und Schwule immer noch nicht gemeinsam Kinder adoptieren. Beim Blick über die Grenzen wird deutlich: Während einige Staaten die vollständige rechtliche Gleichstellung umsetzen, geht es in zahlreichen anderen um grundlegende Menschen- und Bürgerrechte. In mehr als 70 Staaten werden Lesben und Schwule weiterhin strafrechtlich verfolgt – bis hin zur Todesstrafe im Sudan, Somalia, Mauretanien und in Nigeria. Russland, Uganda und Gambia haben 2013/2014 ihre Gesetze sogar verschärft. Auch dieses Menschenrechtsthema muss Eingang in internationale Berichterstattung finden.

Als lesbische Frau wünsche ich mir mehr mediale Präsenz für Lesben. Die Kategorie „Homosexuelle“ wird in der Regel mit „männliche Homosexuelle“ gleichgesetzt. Die relativ neue aber gebräuchliche Kategorie wie „LGBT“ (für lesbian, gay, bisexual, trans) oder LGBTTIQ sind für die Sichtbarkeit von Lesben in den Medien ebenfalls keine Hilfe, weil ihre Bedeutung sich nur einer zahlenmäßig kleinen Zielgruppe erschließt. Berichte über LGBT-Berichte thematisieren zum Großteil das Leben schwuler Männer, Überschriften mit Lesbe oder lesbisch kommen nicht vor. Die Kategorie „Gender“ wäre geeignet, lesbisches Leben zu kommunizieren. Sie wird aber allzuoft darauf reduziert, (heterosexuelle) Frauen mit (heterosexuellen) Männern zu vergleichen.

Bilder von Homosexuellen in Printmedien zeigen häufig CSD-Paraden. Dort ist es häufig so, dass Schwule kostümiert dargestellt werden (Karnevalisierung). Lesben werden zwar in Alltagssituationen abgebildet, oftmals aber als Paar in einer Regenbogenfamilie. Sie werden damit auf ihre Mutterrolle reduziert. Alte Lesben kommen noch seltener vor – alte heterosexuelle Frauen allerdings auch.

Eine Ursache hierfür ist die Genderstruktur von Öffentlichkeit und Medien. Die Sichtbarkeit von Schwulen wird gefördert durch den Nachrichtenfaktor „Mann“ – Was Männer machen, ist eine Nachricht wert. Die Medienstruktur ist geprägt durch (Hetero-) Männer, die über Auswahl, Thema, Aufbereitung eines Themas entscheiden. Dazu kommt die Struktur der deutschen Sprache: generisches Maskulinum – weibliche Menschen sind mitgemeint.

Was fördert die Unsichtbarkeit von Lesben? Öffentlichkeit ist generell kein Ort für Frauen, wenn eine Frau öffentlich auftritt und ihre Meinung äußert, muss sie nach wie vor befürchten, durch „Maskulisten“ verunglimpft und als „Lesbe und Emanze“ beschimpft zu werden. Fast unbemerkt sind Frauensendungen, Frauenseiten und Frauenprogramme aus den Medien verschwunden. Auch das trägt zur Unsichtbarkeit bei.

Hier will der LSVD gegensteuern und hat deshalb beim „Aktionsplan Echte Vielfalt“ einen Fokus auf öffentliche Sichtbarkeit und Wahrnehmung gelegt. Der Aktionsplan Echte Vielfalt hat schon im Erstellungsjahr viele Menschen erreicht und zu Aufklärung und Sensibilisierung beigetragen. Allein die Verteilung von 10.000 Exemplaren der Broschüre „Wort-Schatz Echte Vielfalt“ innerhalb von nur 3 Monaten zeigt, wie groß der Bedarf ist. Dieser Schwerpunkt soll 2015 fortgesetzt werden.

Dazu kommt eine steigende Präsenz des LSVD Schleswig-Holstein in lokalen  Medien, auch über den Aktionsplan Echte Vielfalt hinaus. Zwischen Mai und November berichteten dpa, Kieler Nachrichten, Lübecker Nachrichten, shz und der NDR mehrfach über Homosexualität im Zusammenhang mit dem Aktionsplan. Man kann deshalb die Öffentlichkeitsarbeit des Aktionsplans als erfolgreich werten.

Im Oktober 2014 lud der LSVD Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem Deutschen Journalistenverband Schleswig-Holstein zu einem Medienworkshop ein. Unter dem Thema „Alles nur schrill und sexy? Wie lesbische und schwule Themen in den Medien vorkommen“ haben die Journalistin Nicole Koenecke und der Journalist  Martin Munz vertiefende Kenntnisse zum Schreiben über Lesben, Schwule und Transidente vermittelt. (Link zum Workshop bei echte-vielfalt.de)

Die Diskussionen beim Workshop haben gezeigt, wie wichtig es ist, Lesbisch- oder Schwulsein zu verorten. Die „normale“, also beiläufige Erwähnung der sexuellen Identität macht Lesbisch- oder Schwulsein zur Normalität. Der Begriff „Homo-Ehe“ ist beispielsweise schon eine Diskriminierung, kein Mensch würde von „Hetero-Ehe“ sprechen. Aber kontextbezogen relevante Informationen wie „sie lebt mit ihrer Frau“ bzw. „er lebt mit seinem Mann“  können eine gute Berichterstattung ausmachen. Solche Feinheiten herauszuarbeiten, war Ziel des Medienworkshops.

2015 wird für den LSVD Schleswig-Holstein wieder ein Jahr der Öffentlichkeitsarbeit. Mit dem Aktionsplan Echte Vielfalt und mit weiteren Aktivitäten werden neue Zielgruppen erschlossen, für die Lesben, Schwule und Transidente das sind, was sie sind: ganz normal.

Weiterlesen:

  • Thema Journalismus beim Aktionsplan Echte Vielfalt
  • Wort-Schatz Begriffe zur Akzeptanz vielfältiger Identitäten, Kiel 2014, Link Bestellmöglichkeit
  • Broschüre „Schöner schreiben über Lesben und Schwule – ein kollegialer Leitfaden für Journalistinnen oder Journalisten“, Göttingen 2013, Link Download
  • Elke Amberg: „Schön! Stark! Frei! Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden“, Sulzbach 2011